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Projekt > Theorie > Computergestützte Entscheidungsfindung Buch Dr. Oliver Meixner
Auszug Kapitel 8.6: Nachteile von Decision Support Systemen (DSS) / Expert Choice und AHP - innovative Werkzeuge zur Lösung komplexer Problem
AutorIn : Bucher / Datum : 04.01.2004 18:42
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cover

Computergestützte Entscheidungsfindung.
Expert Choice und AHP - innovative Werkzeuge zur Lösung komplexer Problem

Dr. Oliver Meixner ist unserer Kenntnis nach ein Wissenschaftler, der sich im deutschsprachigem Raum sehr anschaulicher Form und intensiv mit dem Analytic Hierarchy Process AHP von Saaty befasst hat. Er hat unter anderem auch ein sehr anschauliches geschriebenes Buch zusammen mit seinem Kollegen Rainer Haas veröffentlicht. Auch für den Laien und Nicht-Theoretiker sehr empfehlenswert. Aus seinem Buch nun auszugsweise ein aus unserer Sicht sehr wichtiges Kapitel, das sich speziell mit den Argumenten der Kritiker zum AHP befasst..

Oliver Meixner

Rainer Haas

Kapitel 8.6 (Seite 109 - 112)

Nachteile von Decision Support Systemen (DSS)

Spricht man mit Praktikern, so kristallisieren sich die folgenden zentralen Nachteile von DSS heraus:

  • Sie sind nicht robust genug.
  • Sie sind zu kompliziert in der Anwendung.
  • Sie sind zu teuer in der Anschaffung.
  • Sie verlangen Daten, die nicht in der entsprechenden Form verfügbar sind.

Diese Nachteile kann der AHP leicht entkräften, da er weder kompliziert anzuwenden ist, noch teuer in der Anschaffung (eine Einzelplatzlizenz für Expert Choice™ kostet um die 2- 3 Tausend Euro .Und zu guter Letzt erlaubt er die Verarbeitung von weichen Informationen, sollten einmal keine harten Zahlen und Fakten zur Verfügung stehen. Speziell für den AHP werden als Nachteile genannt, dass er:

  • die Spontaneität und Kreativität hemmen kann. Dieser Nachteil trifft aber für alle Methoden oder Softwareprodukte zu, weil Sie zunächst erlernt werden müssen.
  • eine zögernde Entscheidungsfindung fördert und dadurch Entscheidungsschwäche kaschieren kann.
  • für Manipulationen offen ist. Die so entstandenen Ergebnisse könnten zur Rechtfertigung von a priori Wunschergebnissen mancher Entscheidungsträger missbraucht werden.
  • nicht immun ist gegen gruppendynamische Prozesse. Das.heist:. wenn jemand der Gruppe seinen Willen aufzwingt, dann spiegeln die Ergebnisse dessen Dominanz wieder scheinbar objektive Ergebnisse liefert.

Diese Nachteile konnten in empirischen Untersuchungen alle entkräftet werden. Lediglich der letzte Punkt - die scheinbare Objektivität - führt oft zu Missverständnissen. Als Ergebnis liefert der AHP Rangreihungen, Gewichtungen etc., die natürlich in Form von Zahlen vorliegen. Zahlen haben in unserer Kultur einen manchmal magischen Charakter, mit anderen Worten, wir sind sehr schnell bereit Sachverhalte, die durch Zahlen dargestellt werden, als harte objektive Fakten anzusehen. In Wahrheit handelt es sich aber um Ergebnisse, die vielfach auf subjektiven Einschätzungen zustande gekommen sind. Bei der Anwendung des AHP darf man nicht vergessen, dass es sich um ein Entscheidungs-unterstützendes-System handelt. Somit "löst" der AHP nicht das Problem, sondern hilft lediglich, die für uns richtige Entscheidung zu treffen.

Wie man sieht, sind dies Nachteile, die auf einer akademischen Ebene diskutiert werden, aber für die Praxis nicht wirklich relevant. Ein Punkt, der besonders in akademischen Kreisen zu heftigen Diskussionen führte, ist dass dem AHP mangelnde Stabilität der Ergebnisse vorgeworfen wird. Unter bestimmten Bedingungen kann es nämlich zu einem Rank Reversal, auf deutsch einer Umkehr der Rangordnungen von Alternativen kommen. (siehe Fussnote 11)

Die Besonderheit des AHP ist, dass er eine "hohe Abhängigkeit von dem jeweils konkret vorhandenen Satz von Alternativen hat. Diese Abhängigkeit macht seine Stärke aber auch seine Schwäche aus" (vgl. Dyer 1990, Saaty 1990).

"Die Stärke des Verfahrens liegt darin, dass für den jeweils konkret vorliegenden Satz von Alternativen über das Eigenwertverfahren (siehe dazu Kap. 10.5, S. 140) Wertfunktionen und Gewichte maßgeschneidert angepasst werden. Damit kann man hinreichend sicher sein, dass ... die vorhandenen Alternativen entsprechend den Wünschen des Entscheidungsträgers richtig angeordnet werden" (Schneeweiß, 1991, S. 192).

Darin liegt aber auch die Schwäche des AHP. Wenn sich nämlich der Satz an Alternativen ändert, dann können sich zuvor ermittelte Rangordnungen ändern, weil sich die "Maßschneiderung" ändert.

Ein Beispiel:
Nehmen wir an, Sie beurteilen zwei Automarken und kommen zu dem Ergebnis

Marke A ist besser als Marke B
(A > B)

Später entdecken Sie eine dritte Automarke C und führen erneut eine Beurteilung aller drei Marken durch. Das Ergebnis lautet nun aber
(B > C > A)

also Marke B ist besser als Marke A.
(B > A)

Obwohl sich an der Wertfunktion des Entscheiders nichts geändert hat, kommt es zu einem Rank Reversal, der AHP ist also unter bestimmten Bedingungen instabil.

Die Befürworter des AHP führen folgende Argumente ins Feld:

Erstens:
ist ein Rank Reversal nichts Außergewöhnliches im menschlichen Entscheidungsverhalten. Eine neue Alternative kann auch neue Informationen bringen und dadurch eine neue Sichtweise aller vorhandenen Alternativen.

Zweitens:
ist das Problem leicht zu lösen, indem man den Bewertungsprozess erst dann durchführt, wenn die Alternativen feststehen und überschaubar sind.

In diesem Zusammenhang wird der AHP oft mit der multiattributiven Werttheorie verglichen. Diese Methode ist ein Verfahren, welches ebenfalls zur Lösung von multikriteriellen Entscheidungsproblemen herangezogen wird. Der Unterschied zum AHP ist, dass für alle Einzelwerte Wertfunktionen aufgrund von Trade-offs ermittelt werden. Dies geschieht, indem man den Entscheider bittet Austauschraten von Zielen anzugeben. "Der Entscheider hat in einem Vergleich zweier Ziele i und j anzugeben, wie viel das Ziel i zu verbessern ist, um eine bestimmte Verschlechterung im Ziel j genau zu kompensieren" (vonNitsch, 1993).

Bei dieser Methode tritt zwar das Phänomen der Rangumkehr nicht auf, aber der besondere Nachteil ist, dass die Ermittlung der Austauschraten zwischen Zielen so hohe Anforderungen an den Entscheider stellt, dass es zu einer völligen Ablehnung der Methode kommt (wie sogar die Befürworter der multiattributiven Werttheorie zugeben).

Die Erfahrungen mit den unzähligen Anwendungen des AHP haben aber gezeigt, dass für Praktiker nicht die theoretische Unantastbarkeit einer Methode ausschlaggebend ist, ob sie eine Methode anwenden oder nicht. Ausschlaggebend ist viel mehr, ob die Methode rasch erlernbar und intuitiv anwendbar ist und Ergebnisse liefert, die den Ansprüchen der Praxis genügen. Aus genau diesen Gründen empfehlen wir Ihnen die Anwendung des AHP oder genauer Expert Choice™. Sie ist einfach zu erlernen, intuitiv anzuwenden und liefert nachvollziehbare Ergebnisse, die brauchbare Problemlösungen darstellen.

Als Entscheidungsträger in Politik, Wirtschaft oder Wissenschaft, benötigen Sie Werkzeuge, die nicht nur in einem mechanistischem Sinne „perfekt" funktionieren, sondern vielmehr auch in einem ganzheitlichem Sinne Ihre psychologischen Stärken fördern und Ihre Schwächen ausgleichen.

Wir beenden nun den ersten großen Teil dieses Buches, der den entscheidungstheoretischen Aspekten gewidmet war, die in Zusammenhang mit der Anwendung des AHP stehen. Im zweiten Teil dieses Buches konzentrieren wir uns auf die mathematischen Grundlagen des AHP und zeigen Ihnen eine Fülle von Anwendungsbeispielen.

Fussnote11

Es ist an dieser Stelle nicht der Raum, um auf die methodischen Details dieses akademischen Diskurses einzugehen. Der interessierte Leser sei auf die vertiefende Literatur zu diesem Thema verwiesen (siehe Schneeweiß, 1990, von Nitsch, 1993).


 

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